10.02.2026
Lesen Sie das neueste Kundeninterview mit Tobias Neubauer von der Neubauer GmbH in Erlen. Er erzählt von Herausforderungen im Bereich der Entsorgung von Baumaterialien, geht auf die Zusammenarbeit mit der Muldenzentrale ein und zeigt eindrücklich auf, wie sich sein Unternehmen für die Nachhaltigkeit einsetzt.

1. Können Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vorstellen?
Unsere Gärtnerei besteht seit 1968 und wurde von meinem Grossvater gegründet. Ich bin bereits die dritte Generation und darf den Betrieb seit 2019 leiten. Schon mein Vater, der den Betrieb 1989 übernahm, stellte die Pflanzenproduktion nach den Richtlinien von Bio Suisse um und gehörte damit zu den Pionieren in diesem Bereich. In den 1990er-Jahren begann er zudem mit naturnahen Gartengestaltungen. Dieser Betriebsteil ist als Bioterra-Fachbetrieb zertifiziert (das Pendant zur Bio-Knospe für die Gartenbauunternehmen).
Im Zentrum steht die Idee «Leben im Garten» zu ermöglichen. Die Biogärtnerei kultiviert eine breite Auswahl an Bio-Pflanzen: Kräuter, Stauden, Wildpflanzen, Gemüsesetzlinge, Obst und Beeren sowie Zierpflanzen. Neben dem Pflanzenverkauf bietet unser Gartenbauteam alle Dienstleistungen im naturnahen Gartenbau an: Gartenplanungen, Gartenpflege, Natursteinbeläge, Trockenmauern, Schwimmteichbau, etc.
Ich selbst habe Ausbildungen sowohl in der gärtnerischen Produktion als auch im Gartenbau absolviert, da es sich um zwei unterschiedliche Berufszweige handelt. Meine Leidenschaft gilt der naturnahen Gartengestaltung und der Unternehmensführung. Als Ausgleich zur Büroarbeit bewirtschafte ich persönlich unseren Kompostplatz und geniesse die Arbeit mit den entsprechenden Maschinen.
2. Warum hat das Thema Entsorgung und Nachhaltigkeit auch in Ihrem Betrieb eine grosse Relevanz?
Für mich ist es wichtig, möglichst wenig Abfall zu produzieren. Mit diesem Ansatz beschäftigen wir uns seit vielen Jahren. Ein Beispiel aus unserem Betrieb ist unsere eigene Erde, die wir an Privatkunden in 30- und 15-Liter-Säcken verkaufen. Diese Erde stammt aus unseren aufbereiteten Wertstoffen.
Statt Einweg-Plastiksäcke zu verwenden, geben wir sie in Mehrwegsäcken ab, auf die wir ein Depot von zwei Franken erheben. Das hat mehrere Vorteile: Die Säcke sind atmungsaktiv, sodass die lebendige Erde nicht erstickt, und sie bleiben im Umlauf, wodurch Abfall reduziert wird. Gleichzeitig kommen Kundinnen und Kunden regelmässig zurück, um ihre Säcke zurückzugeben oder neue mitzunehmen.
Auch alle anderen Materialien wie Plastik, Metall, Karton, Beton oder Holz trennen wir konsequent und führen sie über Recyclingwege der Wiederverwertung zu. Nur das, was sich nicht sinnvoll aufbereiten lässt, landet im klassischen Müll.
3. Welche Herausforderungen begegnen Sie bei der Entsorgung der Wertstoffe, die bei Ihnen auf dem Betrieb anfallen?
Im Moment ist unsere grösste Herausforderung im Gartenbau die Entsorgung von Asphaltbelägen. Bei der Erneuerung von Asphaltflächen fällt viel Material an, das nicht einfach wiederverwertet werden kann. Als Gartenbauunternehmen haben wir keine Möglichkeiten, den Asphalt selbst zu recyceln. Langfristig wird dies zu einer Herausforderung, insbesondere weil unser Betrieb viele Asphaltflächen zugunsten von Grünflächen oder unversiegelten Bereichen reduzieren kann.
Ein Engpass entsteht auch bei Partnern, Recyclingstellen und Strassenbauunternehmen. Bei der Herstellung von neuem Belag aus recyceltem Material wird immer ein Mindestanteil an Primärmaterial aus dem Kieswerk benötigt. Und nur ein Teil darf aus Altmaterial bestehen. Die anfallende Menge an Altbelag übersteigt aber diesen Bedarf bei weitem, weswegen Werke diesen nicht mehr in grossen Mengen annehmen.
Ähnlich verhält es sich bei anderen Bauabfällen wie Aushub, Teer oder Beton. Alles, was verbrannt werden kann, ist einfacher zu handhaben. Alles andere muss deponiert oder aufwendig weiterverarbeitet werden.
4. Wie wichtig ist eine gut geplante Entsorgung für den Bauablauf?
Man merkt, dass Entsorgung und Materiallogistik immer besser im Voraus geplant werden müssen. Bisher lief vieles auch spontan mit Partnern, bei denen kurzfristig Lösungen gefunden werden konnten.
Heute wird das zunehmend schwieriger. Es geht nicht nur um den Preis, sondern auch um generelle Verfügbarkeit und Koordination. Mehr Vorlauf, klare Absprachen und Zusicherungen, dass Material rechtzeitig abgeholt oder richtig platziert wird, sind nötig. Mit guter Planung lassen sich diese Herausforderungen gut bewältigen und der Stress bleibt überschaubar.
5. Aus welchen Dienstleistungen besteht die Zusammenarbeit mit der Muldenzentrale OTG und inwiefern profitieren Sie beide davon?
Die Zusammenarbeit mit der Muldenzentrale OTG ist für uns sehr vielseitig. Sie übernimmt unsere Kleingebindelogistik für Holz, Metall, Karton, Kunststoff oder alte Paletten – und sorgt dafür, dass alles richtig sortiert und recycelt wird. Ebenfalls können wir sämtliches Material vor Ort bei der Muldenzentrale OTG entsorgen.
6. Was schätzen Sie besonders an der Zusammenarbeit mit OTG?
Ich schätze es besonders, alles unkompliziert an einem Ort abladen zu können, auch direkt mit dem eigenen Firmenfahrzeug. Bei der Muldenzentrale werden alle Abfallarten wie Teer, Aushub, Wurzelstöcke oder Grüngut zentral und leistungsfähig angenommen. Keine langen Wartezeiten, professionelle Abwicklung und monatliche Abrechnung sparen uns viel Zeit.
Mit der Muldenzentrale OTG verbindet mich ausserdem der Gedanke, Abfall so nachhaltig und umweltschonend wie möglich zu entsorgen. Auch wenn das nicht immer den grössten wirtschaftlichen Vorteil bringt, wird das Richtige getan. Solche Partner sind Teil der Werte unseres Unternehmens. Der Service, die Effizienz und das verantwortungsbewusste Handeln passen zu unserer Philosophie.
7. Wie lautet Ihre Empfehlung zum Umgang mit Entsorgung und Rückführung von Materialien?
Mir ist wichtig, wiederverwendbare Baustoffe möglichst vor Ort zu belassen und mit etwas Kreativität in einer neuen Gartengestaltung einzubinden, wo das Sinn macht. Eine frühzeitige Planung hilft, Recyclingpotenziale zu erkennen, Kosten zu sparen und gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.
Zudem achte ich strikt auf die Herkunft der Materialien. Bei den Steinen z.B. setzen wir überwiegend auf regionalen Sandstein vom Rorschacherberg, was Transportwege und CO₂-Emissionen reduziert. Jeder Schritt von Beschaffung über Verarbeitung bis Entsorgung beeinflusst Umwelt und CO₂-Bilanz. Deshalb beziehen wir unsere Rohstoffe, wo immer möglich, aus der Region.
8. Was unternimmt Ihr Unternehmen nebst der fachgerechten Entsorgung sonst noch im Bereich Nachhaltigkeit?
Im Jahr 2022 haben wir einen grossen Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit gemacht. Bisher wurden unsere Gewächshäuser mit Erdgas beheizt – ein Fortschritt, den schon mein Grossvater von Kohle auf Erdöl und mein Vater dann von Erdöl auf Erdgas vollzogen hatte.
Nun sind wir auf eine Holzschnitzelheizung umgestiegen, die mit regionalem Hackholz aus nahegelegenen Wäldern betrieben wird. So reduzieren wir Transportwege und graue Energie, vermeiden fossile Brennstoffe und heizen weitgehend klimaneutral.
Parallel dazu konnten wir bei allen sinnvollen Dachflächen PV-Module installieren, inkl. eines 45-kW/h-Batteriespeichers. Damit können wir 7–8 Monate im Jahr unseren Strombedarf auch in der Nacht selbst decken. Dazu kommt die «Betankung» unserer Elektrofahrzeuge, die wir zu 90 % ohne zugekauften Strom laden können.
9. Welche Entwicklungen im Recycling und Nachhaltigkeit finden Sie besonders spannend?
Branchetechnisch ist für mich besonders spannend, dass wir zunehmend Möglichkeiten finden, ganz auf Torf im Anbau zu verzichten. Torfabbau ist ein riesiges Thema in der Gärtnereibranche, denn die Nutzung von Hochmooren in Lettland, Litauen und den baltischen Staaten führt zu enormen CO₂-Emissionen.
Deshalb setzen wir seit über zwei Jahren ausschliesslich torffreie Produktionsmethoden mit Alternativen wie Reifekompost, Holz- oder Kokosfasern ein. Gleichzeitig setzen wir, wo möglich, auch Recyclingprodukte ein, um Ressourcen zu schonen und den Kreislauf zu schliessen.
10. Wollen Sie Lesern und Leserinnen sonst noch etwas mit auf den Weg geben?
Für mich ist klar, dass Bemühungen im Bereich Umweltschutz und Nachhaltigkeit nie «genug» sind. Auch als Biobetrieb kann man nicht behaupten, dass man bereits alles für die Umwelt getan hat.
Es geht darum, kontinuierlich verantwortungsvoll zu handeln, damit wir den kommenden Generationen einen lebenswerten Planeten hinterlassen. Für uns bedeutet das, in jedem Schritt – von der Produktion bis zum Vertrieb – sorgfältig zu prüfen, wie wir Ressourcen schonen und CO₂-Emissionen minimieren können.